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Richard Wagner (1813-1883)

"In Nacht und Elend. Per aspera ad astra. So sei es!"
Richard Wagner in Paris

Wie gerne kramt man dreckige Wäsche aus. Wagners bewegtes Leben bietet ja ausreichend Stoff für Klatsch. All’ die Affären, und dann noch seine ewigen Schulden, all’ das Kleine und Menschliche, was man heutzutage in der Regenbogenpresse lesen würde. "Bigamist setzt sich ins Ausland ab!"

Dem großen Künstler Wagner, dem Schöpfer zeitlosester Musik und genialer Verse, gilt unser Augenmerk. Zeitgenosse von Berlioz, Schopenhauer, Tolstoi, Keller, Semper, Bismarck, hat Wagner wie kein anderer die Musik des späten 19. und 20. Jahrhunderts geprägt. In einer Zeit, da man die Bühne noch mit Gaslaternen notdürftig ausleuchtete, schuf er eine Phantasmagorie, die an Modernität nicht ihresgleichen hat. Ein beängstigend großer Künstler.

"Nach einer in Fieber und Schlaflosigkeit verbrachten Nacht zwang ich mich des andren Tages zu weiteren Fußwanderungen durch die hügelige, von Pinienwäldern bedeckte Umgegend. Alles erschien mir nackt und öde, und ich begriff nicht, was ich hier sollte. Am Nachmittage heimkehrend, streckte ich mich todmüde auf ein hartes Ruhebett aus, um die langersehnte Stunde des Schlafes zu erwarten. Sie erschien nicht; dafür sank ich in eine Art von somnambulen Zustand, in welchem ich plötzlich die Empfindung, als ob ich in ein stark fließendes Wasser versänke, erhielt. Das Rauschen desselben stellte sich mir bald im musikalischen Klange des Es-Dur-Akkordes dar, welcher unaufhörlich in figurierter Brechung dahinwogte; diese Brechungen zeigten sich als melodische Figurationen von zunehmender Bewegung, nie aber veränderte sich der reine Dreiklang von Es-Dur, welcher durch seine Andauer dem Elemente, darin ich versank, eine unendliche Bedeutung geben zu wollen schien. Mit der Empfindung, als ob die Wogen jetzt hoch über mich dahinbrausten, erwachte ich in jähem Schreck aus meinem Halbschlaf. Sogleich erkannte ich, dass das Orchestervorspiel zum "Rheingold", wie ich es in mir herumtrug, doch aber nicht genau hatte finden können, mir aufgegangen war."

Aus Richard Wagners "Mein Leben"

 

ZEITTAFEL

1813   22.Mai: Richard Wagner wird als neuntes Kind des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner in Leipzig geboren. Der Vater stirbt am 23.November.
1814Wagners Mutter, Johanne Rosine, geb.Paetz, heiratet den Schauspieler und Maler Ludwig Geyer. Übersiedlung nach Dresden.
1822-28Wagner besucht die Kreuzschule Dresden.
1828-30Wagner besucht das Nikolai-Gymnasium in Leipzig.
1830Eintritt in die Thomas-Schule in Leipzig. Uraufführung seiner Ouvertüre in B-Dur am Leipziger Theater.
1831Studium der Musik an der Universität Leipzig. Im Herbst wird Wagner Schüler des Thomaskantors Theodor Weinlig.
1833Wagner beginnt seine Theaterlaufbahn als Chordirektor in Würzburg.
1834Musikdirektor der Magdeburger Theatergruppe Bethmann in Lauchstädt.
1834-36Wagner als Musikdirektor in Magdeburg; Uraufführung seiner Oper Das Liebesverbot. Übersiedlung nach Königsberg, wo er am 24.November 1836 die Schauspielerin Minna Planer heiratet.
1837Musikdirektor in Königsberg; ab August Musikdirektor in Riga.
1838Wagner flüchtet mit seiner Frau vor seinen Gläubigern aus Riga und trifft - nach einem Zwischenaufenthalt in London - im September in Paris ein.
1840Veröffentlichung der Novelle Eine Pilgerfahrt zu Beethoven.
1842Rückkehr nach Dutschland; Uraufführung des Rienzi.
1843Uraufführung des Fliegenden Holländers; am 2.Februar Ernennung zum Königlich Sächsischen Kapellmeister.
1845Uraufführung des Tannhäuser.
1848Wagner verliest im Dresdener Vaterlandsverein seine Abhandlung Wie verhalten sich republikanische Bestrebungen dem Königtum gegenüber?
1849Mai-Aufstand in Dresden, an dem Wagner mit Wort und Tat teilnimmt. Am 16.Mai wird ein Steckbrief gegen ihn erlassen; am 27./28. Mai Flucht nach Zürich.
1850Uraufführung des Lohengrin in Weimar.
1851Eine Mitteilung an meine Freunde.
1852Wagner lernt in Zürich Otto und Mathilde Wesendonck kennen.
1853Erste Begegnung miy der achtzehnjährigen Cosima Liszt in Paris.
1854Wagner studiert Schopenhauers Die Welt als Wille undVostellung.
1855Wagner dirigiert acht Konzerte in London.
1857Einzug in das von den Wesendoncks eingerichtete "Asyl" bei Zürich.
185817.August: Wagner verlässt das "Asyl" und reist allein nach Venedig.
1860Konzerte in Paris und Brüssel.
186113.März: Tannhäuser-Skandal in Paris.
1862Aufenthalte in Mainz, Biebrich, Karlsruhe, Dresden, Wien.
1864Wagner flüchtet vor seinen Gläubigern aus Wien. Berufung nach München. 4.Mai: erste Begegnung mit König Ludwig II von Bayern.
1865Uraufführung von Tristan und Isolde in München.
186625.Januar: Minna Wagner stirbt in Dresden. Wagner mietet das Haus Triebschen am Vierwaldstätter See.
1868Uraufführung der Meistersinger in München; Wagner wird stürmisch gefeiert. Im November lernt Wagner in Leipzig Friedrich Nietzsche kennen.
18696.Juni: Geburt Siegfried Wagners. Das Rheingold wird auf Befehl Ludwigs II gegen Wagners Willen in München uraufgeführt.
1870Uraufführung der Walküre in München. Am 25.August werden Richard und Cosima Wagner in der protestantischen Kirche zu Luzern getraut.
1871Wagner wird vom Fürsten Bismarck empfangen.
1874Einzug in Haus Wahnfried in Bayreuth.
187613.August: Eröffnung der ersten Bayreuther Festspiele mit Rheingold. Uraufführungen von Siegfried und Götterdämmerung.
1877Wagner gibt acht Konzerte in der Londoner Albert Hall und wird von Königin Victoria auf Schloss Windsor empfangen.
188226.Juli: Uraufführung des Parsifal im Bayreuther Festspielhaus.
1883Am 13.Februar stirbt Wagner im Palazzo Vendramin zu Venedig an einer Herzlähmung; er wird am 18.Februar im Garten von Haus Wahnfried in Bayreuth bestattet.


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